EMDR als Psychotherapiemethode
Eye Movement Desensitization and Reprocessing (in der internationalen Abkürzung = EMDR) ist eine von Dr. Francine Shapiro 1987-1991 entwickelte neuartige traumabearbeitende Psychotherapiemethode, die die Möglichkeiten der Behandlung seelisch traumatisierter PatientInnen nachweislich erheblich verbessern kann.
Nach neueren Metaanalysen der bisherigen kontrollierten Behandlungsstudien zur posttraumatischen Belastungsstörung gilt die EMDR-Methode als eines der vier nachweislich effektiven Verfahren der Störung (v. Etten & Taylor, 1998, Journal of Clinical Psychology). Die Methode ist u.a. von der American Psychological Association (APA) und der International Society for Traumatic Stress Studies (ISTSS) als effektiv anerkannt und wird weltweit erfolgreich in der Behandlung von Traumafolgeerkrankungen eingesetzt.
„Diese Erkenntnisse und Empfehlungen wurden ganz aktuell (23.3.2005) im sogenannten NICE Report bestätigt. Das „NICE“ (National Institute for Health and Clinical Excellence), das auf der Basis der besten aktuell verfügbaren Forschung Behandlungsempfehlungen zu bestimmten Krankheitsbildern ausspricht hat EMDR in der „National Clinical practice Guideline No. 26 bestätigt (www.nice.org.uk). Wichtig ist hier, dass neben dem Beweis der Effektivität des Verfahrens auch die erhöhte Effizienz (die Wirtschaftlichkeit ist bei den Expertisen des NICE immer auch von hoher Relevanz) von EMDR im Vergleich mit den ohnehin wenigen anderen wirksamen Verfahren betont wird.“
Methodisch folgt die EMDR-Methode einem Vorgehen in acht genau umschriebenen Phasen, die eine praktische Detaillierung des üblichen vierphasigen Vorgehens in der Traumabehandlung – Anamnese, Stabilisierung, Traumabearbeitung, Neurorientierung und Integration – darstellen: Anamnese, Stabilisierung und Vorbereitung, Bewertung, Desensibilisierung/Reprozessierung, Verankerung, Körper-Test, Abschluss, Überprüfung-Planung-Integration. Charakteristisch ist dabei für EMDR der Einsatz von bilateralen Stimulationen (=abwechselnde Stimulierung der rechten und linken Gehirnhälfte z.B. durch Augenbewegungen, akustische Signale, Berührungen). Dies findet statt im Rahmen des Desensibilisierens und Reprozessierens, d.h. im Prozess des Wiedererinnerns und wird oft fälschlicherweise mit „EMDR“ gleichgesetzt.
Wie bei anderen Therapieverfahren auch, gibt es eine Lernkurve, in der die TherapeutInnen mit zunehmender Erfahrung in der Methode auch mit zunehmend komplexen Traumafolgeerkrankungen umzugehen lernen. EMDR ist grundsätzlich sehr gut mit den Behandlungsplänen verschiedener Therapieformen vereinbar ist und soll und kann optimal integriert werden. Darüberhinaus sind für einen bestmöglichen Einsatz allerdings ein eigenes traumaspezifisches und psychotraumatologisch fundiertes Behandlungskonzept und einschlägige klinische Erfahrung unbedingt vonnöten.
EMDR ist ein Verfahren mit – bei richtiger Indikation und Durchführung – deutlicher und schneller Wirkung, das aber auch nicht ohne Kontraindikationen und Nebenwirkungen ist. Eine Behandlung mit EMDR sollte daher nur von entsprechend fortgebildeten Fachleuten (PsychotherapeutInnen, klinischen PsychologInnen und psychotherapeutisch ausgebildeten ÄrztInnen („Psy III“) durchgeführt werden, die entsprechende qualifizierte Ausbildungen absolviert haben und von autorisierten Fachgesellschaften (in Österreich nur EMDR-Netzwerk www.emdr-netzwerk.at) zertifiziert sind.
Interessierte PatientInnen sollten derartige Fragen offen mit ihren BehandlerInnen besprechen. Dies wird jede/r seriöse Fachkraft akzeptieren. Die österreichische Fachgesellschaft www.emdr-netzwerk.at führt Listen mit qualifizierten BehandlerInnen. |